KAoA Teil 1 – Berufsfelderkundungen

Mit der Serie zu KAoA, der Landesinitiative in NRW „Kein Abschluss ohne Anschluss“, beleuchte ich einige Standardelemente aus dem Projekt aus der Sicht der Betriebe. Ich versuche hier einen Überblick zu geben, was die für Betriebe sinnvollen Standardelemente sind und wie man diese nutzen und einsetzen kann. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Standardelement Berufsfelderkundung.

Was ist eine BFE?

Berufsfelderkundungen (BFE) sind Veranstaltungen, an denen die Schülerinnen und Schüler (SuS) der Jahrgangsstufe 8 für einen kurzen Zeitraum im Unternehmen sind. Solche Erkundungen dauern in der Regel mindestens 6 Stunden und sollen den Einblick in einem Berufsfeld ermöglichen. BFE sollen eine Sach- und Urteilskompetenz bei den SuS schaffen, indem sie Aufgabenbeispiele aus der Arbeitswelt kennen lernen.  Die Tätigkeiten und die dazu notwendigen Fertigkeiten und realen betrieblichen Erfahrungen werden (mit Bezug zu einer vorangegangenen Potenzialanalyse) in der Schule reflektiert und sollen eine Entscheidungs- und Handlungskompetenz zur Berufswahl schaffen bzw. die Praktika in Klasse 9 vorbereiten.

Beispiele für BFE, die es bereits flächendeckend gibt, sind der Girls-Day/ Boys-Day. Mindestens drei Berufsfelder (in drei verschiedenen BFE) sollen die SuS im Laufe der 8. Klasse durchführen. Auch Ausbildungsbörsen und ähnliche Veranstaltungen können gezielt als BFE durchgeführt werden.

Was muss enthalten sein?

Wesentlich bei einer BFE ist, dass Kontakte entstehen zu Ausbilderinnen und Ausbilder sowie zu den Azubis. Zudem sollen Praxisanteile enthalten sein. Die Städteregion Aachen war Modellkommune für KAoA und hat für BFE folgende nachvollziehbare Qualitätskriterien und Programmbeispiele definiert:

  • Qualitätskriterien (für das Berufsfeld erforderliche Kompetenzen werden sichtbar/erfahrbar gemacht)
    • praktische u. fachliche Tätigkeiten
    • Arbeitshaltung (z.B. Konzentration, Sorgfalt, Geschwindigkeit…)
    • soziale Kompetenz (z.B. Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit,…)
    • persönliches Potential (z.B. Motivation, Leistungsbereitschaft, Geduld,…)
  • Programmbeispiele
    • Gespräche mit Auszubildenden und Ausbildern
    • Durchführung von praktischen Übungen
    • Herstellen von Arbeitsproben
    • Besuch einzelner Arbeitsplätze
    • Vermitteln von Arbeitsabläufen und verschiedener beruflicher Tätigkeiten (im konkreten Berufsfeld) (z.B. Filme, Vorträge,…)

Wer ist die Zielgruppe?

Zielgruppe sind alle SuS ab Klasse 8. Es sind explizit alle Schulformen angesprochen. Idealerweise finden die BFE nach der Potenzialanalyse in den Schulen statt (diese sind in unserer Region im ersten Schulhalbjahr der 8. Klasse) und vor dem Schülerpflichtpraktikum (erstes und zweites Schulhalbjahr der 9. Klasse). SuS mit besonderem Förderbedarf können BFE auch bei außerschulischen Trägern absolvieren.

Wer kann sie durchführen?

Die Richtlinien zu KAoA sehen vor, dass BFE-Maßnahmen von fachkundigen Personal durchzuführen seien. Ein Betrieb, der die Eignung als Ausbildungsstätte hat, erfüllt diese Voraussetzungen in der Regel sofort. Andere Betriebe sollten sich von der Kommunalen Koordinierung und der zuständigen Kammer beraten lassen.

Warum sollte man sich als Unternehmen engagieren?

Ein Kernelement des gesamten KAoA-Prozesses ist, den Jugendlichen eine vernünftige Berufsorientierung zu geben. Gut orientierte SuS, die sich später in den Unternehmen bewerben, sind eine Bereicherung und vereinfachen das nachfolgende Auswahlverfahren erheblich. Zudem ist die Gefahr von Ausbildungsabbrüchen niedriger, da sich die SuS kompetent und bewusst die Berufsbilder ausgesucht haben, in denen sie tätig werden wollen. Praktische Erfahrungen in einem realen Arbeitskontext sind dabei zentral. Aus der BFE kann ein Praktikum werden, aus dem Praktikum vielleicht eine Bewerbung um eine Ausbildungsstelle oder ein Duales Studium. Wenn man es als Unternehmen schafft, diese Orientierungskette auch als Bindungsinstrument zu nutzen, ist das eine tolle Sache. Zudem sind die Kontakte zu den besthenden Azubis auch eine Bereicherung – für die SuS und für die Azubis. Auf einmal muss der Azubi seine Tätigkeit auch anderen erklären. Das stärkt die kommunikativen Fähigkeiten.

Wir haben in der Vergangenheit im Forschungszentrum Jülich, lange vor KAoA, auch schon BFE mit Förderschulen gemacht. Diese BFE waren alle erfolgreich für die SuS, auch wenn Sie etwas mehr Arbeit gemacht haben. Wir haben Azubis eingebunden und somit gleichzeitig auch die sozialen Kompetenzen der Azubis gestärkt. Der Umgang mit behinderten Azubis und Mitarbeitern wird, nicht zuletzt durch die aktuelle Inklusionsdebatte, wichtiger werden. An dieser Stelle kann man als Unternehmen auch hier Erfahrungen sammeln.

Was ist die Schwierigkeit für das Unternehmen?

Die fachliche Durchführung und Ideen, wie man eine BFE interessant gestaltet dürfte für die meisten Betriebe kein Problem darstellen. Es gibt eher einige formale Hürden. Insbesondere dann, wenn das Einzugsgebiet des Unternehmens über mehreren Kommunen geht, ist die Implementierung von BFE relativ schwierig. Jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt in NRW hat eine so genannte Kommunale Koordinierungstelle. Dieses muss die Maßnahme als KAoA fähige BFE anerkennen. Ein kleiner Handwerksbetrieb an der Grenze zweier Kommunen (z.B. aus Übach-Palenberg) muss sich also mit den Kommunalen Koordinierungsstellen im Kreis Heinsberg und in der Städtegerion Aachen auseinandersetzen, um eine BFE nach KAoA Kriterien „genehmigen“ zu lassen. Als Großbetrieb mit überregionalem Einzugsgebiet beantragen wir im Forschungszentrum Jülich die Anerkennung als BFE-Maßnahme in folgenden Kommunen: Kreis Düren, Kreis Heinsberg, Städteregion Aachen, Kreis Euskirchen und dem Rhein-Erft-Kreis. Das Problem dabei ist, dass die Kommunen relativ frei in der Umsetzung von KAoA sind und möglicherweise andere Anträge/ Vorgehensweisen/ Zertifikate/ Nachweise etc. haben wollen. Wir haben nun die erste offizielle KAoA-BFE in allen Kommunen gleichzeitig auf den Weg gebracht und lassen uns überraschen, wie es tatsächlich läuft. Ich werde den Artikel ergänzen und von unseren Erfahrungen berichten.

Literatur und Links

Gesamtkonzept zu KAoA: Download als PDF

Informationen der Kommunalen Koordinierung im Kammerbezirk der IHK Aachen

 

Wie nehmen Sie in anderen Betrieben den Umgang mit BFE und die Zusammenarbeit mit den Kommulaen Koordinierungsstellen wahr? Teilen Sie Ihre Erfahrund mit mir und den Leserinnen und Lesern dieses Blogs. Alternativ per Twitter mit dem dem Hashtag #KAoA.

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